Echokammer: Populismus bekämpfen mit KI

Lisa hat gerade ihren Bachelor an der Fakultät Gestaltung in Würzburg abgeschlossen – und mit ihrem Abschlussprojekt ein Werkzeug entwickelt, das Populismus nicht erklärt, sondern erfahrbar macht. Echo-Kammer ist eine interaktive Installation, die zeigt, wie politische Aussagen durch Zuspitzung, Wiederholung und emotionale Aufladung ihre Wirkung entfalten. 

Das Prinzip ist bewusst einfach gehalten. Ein gesprochener Satz dient als Ausgangspunkt. Über mehrere Regler lassen sich typische Elemente populistischer Rhetorik verändern: Vereinfachung, Emotionalisierung, Wir-gegen-sie-Logik. Eine KI analysiert die Eingaben und generiert daraus eine neue Version der Aussage, die von einem Avatar laut ausgesprochen wird. So wird hör- und sichtbar, wie sich Sprache verändert – und wie schnell sich Inhalte zuspitzen lassen.

Lisas Ansatz ist klar: Erst das Erleben, dann die Einordnung. Populismus wirkt nicht, weil er logisch überzeugt, sondern weil er Gefühle anspricht. Genau hier setzt Echo-Kammer an. Statt mit erhobenem Zeigefinger zu warnen, lädt das Projekt dazu ein, selbst zu experimentieren. Wer an den Reglern dreht, merkt schnell, wie vertraut manche Muster klingen – und wie schwer sie sich wieder „zurückdrehen“ lassen.

In ihrer Recherche hat sich Lisa intensiv mit populistischer Kommunikation, Social Media und politischer Meinungsbildung beschäftigt. Besonders junge Menschen stehen dabei im Fokus: eine Zielgruppe, die viel mit politischen Inhalten konfrontiert ist, aber oft wenig Raum hat, deren Mechanismen zu reflektieren. Echo-Kammer schafft genau diesen Raum – spielerisch, offen, ohne Bewertung.

Bei ersten Präsentationen wurde deutlich, wie stark das Projekt wirkt. Besucher:innen blieben stehen, hörten zu, probierten aus. Oft folgte ein kurzer Moment des Lachens – und danach Nachdenken. Gespräche entstanden darüber, wo man solche Aussagen schon gehört hat, warum sie funktionieren und wie man ihnen begegnen kann. Nicht durch Verbote oder Abschottung, sondern durch Verständnis und Medienkompetenz.

Gleichzeitig wurde klar, dass das Projekt sensibel ist. Die Arbeit mit KI, die Nähe zu realer politischer Rhetorik und die Gefahr der Überzeichnung erfordern Sorgfalt. Für Lisa gehört das dazu. Gestaltung bedeutet für sie nicht, einfache Antworten zu liefern, sondern Verantwortung zu übernehmen – für Wirkung, Kontext und mögliche Missverständnisse.

Echo-Kammer versteht sie deshalb nicht als abgeschlossenes Objekt, sondern als Diskussionsanstoß. Denkbar sind Weiterentwicklungen für Bildungskontexte, Workshops oder Ausstellungen. Immer mit dem Ziel, Resilienz zu stärken statt Meinungen vorzugeben – und Menschen zu befähigen, Sprache bewusster wahrzunehmen.

Was Lisas Arbeit auszeichnet, ist ein klarer gesellschaftlicher Blick. Gestaltung ist für sie kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um komplexe Themen zugänglich zu machen und kritisches Denken zu fördern. Gerade in einer Zeit, in der politische Kommunikation immer lauter, schneller und emotionaler wird.


Die komplette Folge mit Lisa hörst du im Podcast PEACE OUT, überall dort, wo es Podcasts gibt.