Escape-Game zur Stadtpolitik

Lorenz hat gerade seinen Bachelor an der Fakultät Gestaltung in Würzburg abgeschlossen – und mit seinem Abschlussprojekt etwas entwickelt, das Stadtpolitik dorthin bringt, wo Jugendliche sind: mitten in den öffentlichen Raum. Escape Demos ist ein mobiles Escape Game, das politische Teilhabe spielerisch erfahrbar macht. Kein Seminarraum, kein Frontalvortrag – sondern ein Lastenfahrrad, vier Module und zehn bis zwanzig Minuten Zeit, um Demokratie zu retten.

Das Spiel ist bewusst einfach gehalten. Ein Tisch, ein Stuhl, eine Wahlurne, ein Aufsteller – alles steckbar, ohne Werkzeug, schnell aufgebaut. Zwei bis vier Jugendliche treten gemeinsam gegen eine dystopische KI an, die den Stadtrat übernommen hat. Um sie abzuschalten, müssen Rätsel gelöst werden, die ganz nebenbei Einblicke in kommunale Politik geben: Was macht ein Stadtrat? Welche Beteiligungsmöglichkeiten gibt es? Und wo können junge Menschen überhaupt mitreden?

Lorenz’ Ansatz ist klar: Erst der Spaß, dann das Wissen. Politische Bildung soll nicht belehren, sondern neugierig machen. Genau deshalb hat er früh den Kontakt zum Stadtjugendring gesucht, Gespräche geführt, zugehört. In der Recherche wurde deutlich, was viele Jugendliche empfinden: Politik fühlt sich weit weg an – und Beteiligung oft kompliziert oder gar nicht zugänglich. Escape Demos setzt genau hier an und schafft einen ersten, niedrigschwelligen Kontaktpunkt.

Besonders eindrücklich waren für Lorenz die ersten Tests. Dort ließ allein das Wort „Escape Game“ Jugendliche ihre Playstation-Spiele unterbrechen. Neugier war da, Ehrgeiz auch. Beim Spielen zeigte sich: Das Konzept funktioniert. Jugendliche diskutieren, knobeln, denken nach – ohne das Gefühl, gerade „etwas lernen zu müssen“.

Gleichzeitig wurde klar, wie wichtig Feinjustierung ist. Rätsel wurden kreativ zweckentfremdet, Regeln mussten nachgeschärft werden, der Ort spielte eine große Rolle. Nicht jedes Setting eignet sich gleich gut. Doch genau diese Learnings versteht Lorenz als Teil des Prozesses. Gestaltung heißt für ihn: ausprobieren, anpassen, weiterdenken.

Und das tut er. Escape Demos ist für ihn kein abgeschlossenes Projekt. Ein Moderationshandbuch soll entstehen, die Baupläne sollen online verfügbar gemacht werden, damit andere Städte das Spiel nachbauen können. Langfristig wünscht er sich, dass aus dem spielerischen Einstieg echte Beteiligung wird – Gespräche, Begegnungen, vielleicht der Weg in bestehende Angebote wie den Stadtjugendring.

Was Lorenz’ Arbeit verbindet, ist ein klarer sozialer Blick. Schon frühere Projekte drehten sich um Sichtbarkeit, um Menschen, die oft übersehen werden. Gestaltung versteht er als Werkzeug, um Themen zugänglich zu machen und Räume für Austausch zu schaffen. Gerade für junge Menschen – die Generation, die unsere Städte und unsere Demokratie prägen wird.

Lorenz Schneider findet ihr auf Instagram unter https://www.instagram.com/lorenz_portfolio/ 

Mehr Geschichten wie diese findest du in unserer Reihe #endlichankommen.
Die komplette Folge mit Lorenz hörst du im Podcast PEACE OUT überall, wo es Podcasts gibt. https://www.youtube.com/embed/dhRKNqYm6Zo?si=bfWXzgFVN1FERSw8